SMS-Daumen, Handy-Nacken, WhatsAppitis, Smartphone-Buckel, Gorilla und Maus Arm, iPhone-Schulter:

 Seit 2008, korrelierend mit der Verbreitung der Smartphones, stößt man auf ein neues Phänomen „digitaler Erkrankungen“.

 

Head Down Syndrom

Auf dem Bahngleis oder in der Fußgängerzone, überall sieht man Menschen mit Kopf nach vorne, einer eingerollten Haltung weil sie etwas am phone checken. Es kommt zu einem gekrümmten Rücken, vorgeschobenen Schultern und einem hängenden Kopf. Auf Dauer können schmerzhafte Muskelverhärtungen entstehen: der „Handy Nacken“ oder auch „Text neck“ genannt. Wer den Nacken so überdehnt, belastet überdies seine Wirbelsäule, was langfristig zu Rückenproblemen führen kann oder sogar zu frühzeitigem Verschleiss der Bandscheiben.

 

Lebensstil hinterlässt bereits Spuren

Heute haben Multimedia-Devices wie Smartphones, Tablets, Konsolen und Co. ihren festen Platz bereits in den Kinderzimmern der Kleinsten. Während Kinder früher mit dem Fahrrad ihre Runden zogen, um Freunde zu treffen, ist heute nur mehr der Buckel rund.

Anstatt ihre Freizeit auch in der Natur und in Bewegung zu verbringen, verbringen Kinder und Jugendliche ihre freie Zeit häufig damit, auf Bildschirme zu starren oder darauf herum zu wischen.

 

Veränderung des Skeletts

 Neben Übergewicht, Adipositas und Stoffwechselerkrankungen beobachten Orthopäden und Kinderärzte mit zunehmender Besorgnis ein vermehrtes Auftreten von orthopädischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen: Veränderungen des Skeletts in Form von Fuß-, Bein- und Nackenfehlstellungen. Orthopäden schlagen Alarm. Wer bereits in jungen Jahren Probleme mit der Körperstatik aufweist, läuft Gefahr chronische Rückenleiden mit Sicherheit zu entwickeln.

 

Schmerzprävention durch digital Detox

Auch wenn diese Fehlstellungen im Jugendalter noch kaum Beschwerden machen, können sie bereits im jungen Erwachsenenalter zu Beeinträchtigungen und Schmerzen führen. Unter den Erwachsenen stellen chronische Rückenschmerzen mit zig Millionen Krankenstandstagen und geschätzten Kosten in Milliardenhöhe pro Jahr die „teuerste“ Diagnose dar. Umso wichtiger sollte es sein bereits Kinder und Jugendliche auch zu ‚rückengesunden‘ Menschen zu erziehen. Eine Möglichkeit ist sicherlich mehr Bewegung und weniger Bildschirmzeiten.

 

Selbst ein Vorbild sein

Head down ist jedoch schon längst kein Jugendphänomen mehr. Erwachsene geben leider auch kein anderes Bild ab. Kaum noch jemand, der in der U-Bahn oder im Zug eine analoge Zeitung oder ein Buch liest. Dies würde die Hirnkonnektivität in jedem Fall mehr fördern, als das schnelle Smartphonewischen. Selbst in der Erwachsenenbildung kann man Head down in jeder Pause beobachten. Anstatt die Pause als Pause zu sehen, zücken alle TeilnehmerInnen sofort das phone um zu checken, was es Neues gibt. So manch menschliches Bedürfnis wie der Klogang, wird dabei auch zurückgestellt.

Wir dürfen und also nicht wundern, wenn Kinder und Jugendliche es uns gleichtun, wenn wir es nicht einmal schaffen am Spielplatz unsere Gerätschaften in der Tasche zu lassen, um uns stattdessen aufmerksam dem Spiel unserer Kinder zu widmen.

 

Bewegung forcieren

Grundsätzlich kann Sport den Haltungsschäden effektiv gegensteuern. Erwachsene beugen häufig mit Ausgleichsübungen vor. Regelmäßige Bewegungseinheiten für Kinder sind immens wichtig. Zum einen sorgen sie für Abwechslung, zum anderen tragen sie dazu bei, die Muskulatur des Kindes aufzubauen, womit sich das Knochengerüst effektiver stabilisieren lässt.

 

Ein kleines Who is Who der digitalen Lähmung:

SMS, Handy – Daumen oder WhatsAppitits

Eine Art Sehenscheidenentzündung im Daumen. Die fortgesetzte Daumenbewegung in Richtung kleiner Finger strengt an und führt zu Schmerzen im daumenseitigen Handgelenk.

Ziehende und stechende Schmerzen sind die ersten Vorboten, die sich allmählich bei allen möglichen Daumenbewegungen bemerkbar machen. Für dauerhafte Dehn- oder Abspreiz-Bewegung ist der menschliche Daumen nicht ausgelegt,

 

Gorilla oder Maus Arm

Besonders beim Bedienen von Spielekonsolen und Touch-Screens wird die Schulter überstreckt und verspannt. Durch die permanent horizontale Armhaltung kommt es zu einseitigen Ermüdungserscheinungen und Verspannungen im Oberarm oder Ellenbogen, die langfristig sogar zur Bewegungseinschränkung der Arme oder auch zu neurologische Störungen führen kann.

 

No-Mobile-Phone-Phobia (Nomophobie)

Das Kunstwort bezeichnet die Angst davor, keinen Empfang oder kein Handy mehr zu haben, also offline und damit abgeschnitten vom Rest der Welt für soziale und geschäftliche Kontakte zu sein.

 

iPhone Schulter

Durch das dauerhafte Hochhalten und Drehen des Handys wie z.b. bei Selfies wird das Schultergelenk und die damit verbundenen Sehnen und Muskeln unnatürlich überlastet,

Dies kann zu Entzündungen führen und die betroffene Schulterpartie reagiert druckempfindlich und schmerzt beim Hochheben und beim seitlichen Abspreizen des Arms

Die iPhone-Schulter wird in der Fachsprache als Rotatorenmanschetten-Syndrom bezeichnet.

 

Smart-phone- oder Tech-neck Buckel

Der New Yorker Chirurg Kenneth Hansraj befürchtet, dass das ständige Starren auf Smartphones ernste Haltungsschäden hervorruft und zum Tech-Neck-Buckel führt (Hansraj 2014). Bei einer Neigung des Kopfes von 15 Grad Richtung Brustbein ziehen rund 12 Kilogramm an den Halswirbeln, bei 60 Grad bereits mehr als doppelt so viel.

 

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