Rezensionen 2018-02-01T22:04:45+00:00

Rezensionen

Büchertipps

Rezensionen zu Büchern aus den Themenbereichen Coaching, Leadership, Psychotherapie und Burnoutprävention.
Neueste Rezensionen

Thomas H. Loew
Kriegsschauplatz Gehirn
Schadensbegrenzung bei traumatischen Belastungen
Psychosozial-Verlag, Gießen: 2017

In diesem kleinen Büchlein wird für Laien verständlich erklärt, wie menschliche Gehirne biologisch ausgestattet sind, um Herausforderungen und traumatische Belastungen zu bewältigen. Was tief verletzte Seelen brauchen, um wieder richtig am Leben teilhaben zu können liefert uns der Autor noch mit einem „Entspannungs-ABC, ein Erste-Hilfe-Kurs für die Seele“. Hier beschreibt er vegetative Regulationsmöglichkeiten und Reflexe unseres Organismus, die nachweißlich Stress vermindern. A- wie Atmung, B- wie Bewegung und C für eine ganze Gruppe von Beruhigungssteuerungstechniken wie: Chanting-Singen, cognition – Gedanken kontrollieren, communicate, coaching u.ä. In einem eigenen Kapitel hält hier der Autor 14 C`s bereit für kognitive und kommunikative Strategien um Belastungen zu reduzieren. Er erklärt in einfachen Worten, was ein Trauma ist, und wie der Organismus diese bewältigt und welche Symptome Traumatisierungen folgen. Loew, Professor für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Klinik Donaustadt (D) versteht es komplizierte Sachverhalte in alltagsnahe Metaphern auch für Laien verständlich zu transportieren.

Lisa Tomaschek-Habrina
29.1.2018

Claudio Neri
Gruppenprozesse
Theorie und Praxis der psychoanalytischen Gruppentherapie
Psychosozial Verlag, Gießen: 2006

Neri beschreibt in mehreren Teilen des Buches v.a. einmal Theorien über den Zustand einer Gruppe, auf ihre Bedingungen, während die zweite die Art und Weise betrifft, in der sich eine Gruppe verhält.

Wie entsteht eine Gruppe, wie entwickelt sich ein Gruppenprozess? Wie entfaltet sich das affektive Leben einer Gruppe, wie entsteht die Besonderheit eines gemeinsamen Empfindungsraumes und daraus resultierend eine kollektive Erkenntnisarbeit? Wie entsteht das Binnenklima wo Regulierung des Affektlebens möglich ist? Wie entsteht ein Gruppengeist – das Oszillieren zwischen Denken, Affekten und Transformation. Was ist das Phänomen der Depersonalisierung in der Gruppe, der trans-personalen und trans-temporalen Diffussion?

Neri schafft es aus seinem großen Erfahrungsschatz und wichtige Träger und Prozesse der Gruppenarbeit zu erläutern. Hervorzuheben sind auch jene Kästen, in denen wir in jedem Kapitel eine äußerst knappe historisch-kritische Darstellung von Begriffen lesen können, ebenso trägt auch der am Ende des Buches befindliche Glossar mit Definitionen der wichtigsten Termini dazu bei, diese Buch auch als Handbuch zu verwenden.

Lisa Tomaschek-Habrina
19.3.2017

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Eink, Haltenhof (Hg)
Basiswissen: Umgang mit suizidgefährdeten Menschen
Psychiatrie Verlag, Köln: 5. erw. Auflage 2017

Es gibt in unserer Gesellschaft weitaus mehr Menschen die durch Selbstmord, als durch Mord oder Totschlag sterben. Doch Selbstmorde machen uns sprachlos, und es bleibt wie eh ein tabu. Das Thema Suizidalität ist für helfende Berufe oft mit Angst verbunden, und doch sich helfende Berufe früher oder später damit konfrontiert. Dieses Buch aus der Reihe Basiswissen richtet sich v.a. an die Berufsgruppen des Gesundheitswesens. Durch Information, Hintergründe und Handlungsmöglichkeiten bei suizidalen Krisen versucht es eine Orientierungshilfe zu schaffen. Die erweiterte Auflage bietet auch ein Kapitel zu suizidalen Krisen im Jugendalter sowie im höheren Lebensalter. Kurz, bündig, jedoch klar und informativ zeigt sich dieses Büchlein in bewährter Form der Basiswissen- Reihe.

Lisa Tomaschek-Habrina
19.3.2017

Finzen, Scherk, Weinmann
Medikamentenbehandlung bei psychischen Störungen
Leitlinien für den psychiatrischen Alltag
Psychiatrie Verlag, Köln: Neuauflage 2017

Das in die Jahre gekommene Buch erfuhr nun eine Erneuerung. Es wendet sich an alle, die mit Psychopharmaka zu tun haben insbesondere an junge Ärzte. Nach 60 Jahren Psychopharmakotherapie gibt es kein Medikament, das eine psychische Erkrankung heilen könnte. Sie wirken symptomatisch, heißt sie lindern und helfen Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Die Pharmakotherapie ist nur eine der drei Säulen in der psychiatrischen Behandlung neben der Sozial- und der Psychotherapie. Mittlerweile sind die Zahl der Psychopharmaka und ihre verschiedenen Wirkmechanismen fast unüberschaubar geworden. In den letzten Jahren gab es auch keinen Durchbruch und kein wirklich neues Wirkprinzip mehr, was auch in absehbarer Zeit nicht zu erwarten ist. Das Buch gibt einen guten Überblick über die Einteilung von Psychopharmaka, Aufnahme, Verteilung und Ausscheidung sowie Arzneimittelinteraktionen und Kombinationen, Dosierung, Wirkung und Anwendungsformen.

Lisa Tomaschek-Habrina
19.3.2017

Harriet Brown
Gramm für Gramm zurück ins Leben
Unsere Tochter besiegt die Magersucht
Beltz Verlag, Weinheim: 2013

Dieses Buch verfolgt den Kampf der Familie Brown mit Kittys Magersucht. Es ist eine gewaltige Herausforderung, Magersucht zu verstehen und zu behandeln. Brown berichtet über viele Lektionen, die sie und ihre Familie gelernt haben. Mit therapeutischer Unterstützung müssen die Eltern sich der Krankheit entgegenstellen, und zwar mit Liebe und Zuwendung. Kittys Geschichte zeigt uns, wie mächtig die Magersucht ist und jeden im Familiensystem das Härteste abringt. Die Familie war begleitet durch eine Kinderärztin und anderen Therapeuten. Brown ist wichtig Angehörigen mitzuteilen, dass sie eine wichtige Rolle in der Genesung spielen.

Lisa Tomaschek-Habrina
19.3.2017

Marcus Rasting
Mimik in der Psychotherapie
Die Bedeutung der mimischen Interaktion im Erstgespräch für dien Therapieerfolg
Psychosozial Verlag, Gießen: 2008

Ziel dieser prä-post Studie,  die mit PatientInnen der Gießener Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie mit 2 Therapeuten und 10 PatientInnen im Zeitraum eines Jahres durchgeführt wurde, war es, die Funktion der Mimik in psychotherapeutischen Erstgesprächen zu untersuchen und deren Zusammenhang mit dem Ergebnis der Psychotherapie zu beschreiben.

Demnach wurde beschrieben, dass in erfolgreicheren psychotherapeutischen Prozessen der Therapeut sich weniger häufig in den Leitaffekt des Patienten verwickelt, während sie auf andere mimische Zeichen genauso reagieren wie in nicht erfolgreichen Dyaden. Dies bezieht sich jedoch vorwiegend auf hedonische Affektzeichen (lächeln). Demnach wäre unter therapeutischen Gesichtspunkten empfehlenswert, insbesondere eine Verwicklung in gegenseitiges Lächeln zu vermeiden und den zugrunde liegenden Prozess zu reflektieren. Mithilfe des Lächelns kann also einerseits das Befinden des Gegenübers in Richtung einer positiveren Tönung verändert werden, andererseits wird durch Lächeln in hohem Maße eine auch verhaltensmäßige Verwicklung des Interaktionspartners induziert, welches ihn in eine eher bagatellisierende Kommunikation verwickelt. Dies steht in Übereinstimmung mit anderen Studien zur Rolle des Lächelns in therapeutischen Interaktionen. Es ist theoretisch und forschungspraktisch ungleich komplizierter, diese wechselseitigen Prozesse zu definieren und in prototypische Regulationsmuster einzuteilen. Dies allerdings wäre eine wichtige Perspektive zukünftiger Forschung in diesem Feld.

Lisa Tomaschek-Habrina
19.3.2017

Peter Geißler (Hg)
Nonverbale Interaktion in der Psychotherapie
Forschung und Relevanz im therapeutischen Prozess
Psychosozial Verlag, Gießen: 2005

Dieser Band vereint Beiträge des 4. Wr. Symposions „Psychoanalyse und Körper“ des Jahres 2004. Körperliche Mikroprozesse könne v.a. mit Videomikroanalysetechniken erschlossen werden. Der Körper spielt dabei eine große Rolle- da die nonverbal-körperliche Seite des Erlebens in jeder Form der Kommunikation wirksam ist, so auch in der Psychotherapie zwischen Klienten und Therapeuten. Diese Kommunikation dient als subtile Beziehungsregulierung in Form von unterschwellig stattfindenden unbewussten Prozessen.

Im Beitrag von Ulrich Streeck wird u.a. auf Inszenierungen eingegangen: Szenische Inszenierungen werden v.a. mit dem Körper dargestellt, weniger mit Worten. Szenen sind dialogische Ereignisse, die von dem Patienten und dem Therapeuten gemeinsam hervorgebracht werden – es sind Koproduktionen, die sich auch oft nicht dem Verstehen im sprachlichen Sinne erschließen. Szenische Begegnungen sind stetiger Teil der therapeutischen Beziehung.

Der Beitrag „Selbstorganisation und Heilung“ von Reinhard Plassmann beschreibt die Selbstorganisationsprozesse von Essstörungspatientinnen .v.a Magersüchtigen sehr einleuchtend und praxisnahe.

Lisa Tomaschek-Habrina
19.3.2017

Reker Martin
Basiswissen: Umgang mit alkoholabhängigen Patienten
Psychiatrie Verlag, Köln: 2015

Menschen mit Alkoholproblemen fordern ihre BetreuerInnen oft sehr heraus. Im Entzug geraten viele zudem stark unter Druck. Von zentraler Bedeutung ist die Frage der Verantwortungsverteilung zwischen Klient und Therapeut. Man kann auch diese Arbeit nur erfolgreich tun, wenn man es überwiegend gerne macht. Im Laufe der Zeit gelingt es meist, mehr und mehr zu verstehen, warum Suchtverläufe so sind, wie sie sind. Das Buch soll diesen Verstehensprozess fördern, weil dieser hilft, Gelassenheit und Realitätsbewusstsein zu entwickeln, die für diese Arbeit unentbehrlich sind. Dennoch beinhaltet die Arbeit mit Suchtkranken viele Überraschungen bereit und es lohnt sich auch in aussichtslosen Fällen dran zu bleiben.

Lisa Tomaschek-Habrina
19.3.2017

Walz-Pawlita, Unruh, Janta (Hg)
Körper – Sprachen
Psychosozial Verlag, Gießen: 2016

Dieses Jahrbuch der DGPT vom Oktober 2015 versammelt Hauptvorträge und Referate zum Thema Körper-Sprachen. Die klinische Theoriebildung wird hier ergänzt von Forschungen aus den Neurowissenschaften, zum Embodiment und Untersuchungen zu unserem präverbalen Körpergedächtnis. Körpergeschehen wird von Anfang an auch in der therapeutischen Behandlung als Interaktionsgeschehen aufgefasst, zur Verkörperung des Unbewussten.  In rund 20 Beiträgen spannt sich der Bogen von psychoanalytischen Auffassungen zur Affektforschung und den Neurowissenschaften. Vom Körper als Erinnerungsmedium, aus dem sich traumatische Erfahrungen aktualisieren berichtet der Beitrag Leuzinger-Bohleber & Pfeifer. Vom Körper des Therapeuten als Resonanzraum schreibt Volz-Boers. Der Wirkung nonverbaler Botschaften jenseits sprachlicher Kommunikation und deren Rückbezug auf die Ergebnisse der psychologischen Emotionsforschung widmet sich Benecke in seinem Text „Lachen, Weinen und böse Blicke.“

Das Buch bietet eine breite Auswahl an Zugängen zum Thema und spart auch nicht mit literarischen Bezügen z.B. in dem lesenswerten Beitrag von Klußmann&Klußmann über „Kafka im Licht der Psychosomatik.“

Lisa Tomaschek-Habrina
19.3.2017

Wyl, Tschuschke, Crameri, Lutz, Schulthess (Hg)
Was wirkt in der Psychotherapie?
Ergebnisse der Praxisstudie ambulante Psychotherapie zu 10 unterschiedlichen Verfahren.
Psychosozial Verlag, Gießen: 2016

Vorliegendes Buch beschreibt die Praxisstudie ambulante Psychotherapie Schweiz (PAP-S) in Kooperation mit dem Klinikum der Uni Köln und dem Departement Angewandte Psychologie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften Zürich, die im Zeitraum 2007 bis 2012 realisiert wurde.  Tschuschke und Koemeda-Lutz sowie Schlegel beschreiben in Kapitel 5 das eigens für die PAP-S Studie entwickelte Rating-Manual, das PAP-S-RM zur Analyse der therapeutischen Interventionen in Psychotherapien. Dabei umfasst das Rating Manual 100 therapeutische Interventionstechniken, die vermutlich in allen psychotherapeutischen Behandlungsformen zur Anwendung gelangen. Untersucht wurden 262 Sitzungen von 81 PatientInenn und 30 Therapeuten aus acht verschiedenen Methoden.

Koemeda-Lutz untersuchte auch Therapieprozesse mit der Beobachtung, dass mit zunehmender beruflichen Erfahrung der Therapeuten das Ausmaß methodenspezifischer Interventionen abnahm. Vielmehr entwickelte jeder Behandler einen eigenen therapeutischen Stil. Tschuschke fokussiert in einem Kapitel speziell die therapeutische Beziehung, die beeinflusst wird durch die Schwere der Belastung der PatientInnen zu Beginn der Behandlung sowie durch die Chronizität der Störung.

Die Ergebnisqualität der beteiligten Psychotherapien wird von Crameri beschrieben, wobei die Wirksamkeit der untersuchten humanistischen und tiefenpsychologischen Behandlungen im gleichen Spektrum wie die von kognitiv-behavioralen lagen.

Lisa Tomaschek-Habrina
19.3.2017

Coaching, Leadership, Unternehmensführung

Michael Müller: Einführung in narrative Methoden der Organisationsberatung
Carl Auer Verlag, Heidelberg: 2017

Müller beschreibt hier sehr prägnant eines der mächtigsten Instrumente der Kommunikation: Erzählung, die auch entscheidend an der Konstruktion der Identität von Individuen und sozialen Systemen beteiligt ist. Letztlich sind es die Erzählungen, die wir uns selbst und die andere über uns erzählen, die unsere Identität ausmachen.
Auch die Identität von Unternehmen und Organisationen wird durch Geschichten, die Mitarbeiter und Führungskräfte, Kunden oder die Medien erzählen, konstruieret, am Leben gehalten und kommuniziert. Wenn aber Identität als Summe von Geschichten beschreibbar ist, dann liegt nahe, dass man Geschichten auch als Methoden nutzt, um mit und an der Identität zu arbeiten, mit Individuen und auch in Organisationen, in denen Individuen an den Erzählungen beteiligt sind. Im Kontext der systemischen Therapie und Beratung hat diese Idee v.a. durch die Arbeiten des amerikanischen Psychologen Jerome Bruner entfaltet, auf ihn berufen sich auch Michael White und David Epston, die Begründer der narrativen Therapie.
Identität hat jedoch nicht nur einen Vergangenheitsaspekt, wer welche Geschichten über was erzählt hat, sondern auch einen Zukunftsaspekt, der v.a. im Beratungskontext von entscheidender Bedeutung ist. Wie können Individuen und Systeme ihre Identitätsgeschichten so entwickeln, dass in Zukunft neue Optionen ermöglicht werden?
Müller nimmt Heinz Abels Modell (2010) der 4 Fragen, was Identität sei auf und überträgt sie auch vom Individuum auf Organisationen und schlägt auch vor damit zu arbeiten im beraterischen Kontext:

Wie sind wir geworden, was wir sind? Gründergeschichte
Wer wollen wir sein? Corporate Identity, Marke
Was tun wir? Geschäftsmodell
Wie sehen uns andere? Positionierung am Markt, Kunden, Öffentlichkeit

Der Autor zeigt uns aus der Perspektive des systemischen Beraters in 6 Kapiteln Vorgehensweisen im Einzelcoaching und auf Unternehmensebene. Dabei betont er, dass die narrative Perspektive nicht nur in Kontexten der Organisationsentwicklung und des Coachings relevant ist, sondern auch in zahlreichen anderen Kontexten angewandt wird:
Unternehmenskommunikation, Wissensmanagement, beim Führungsverhalten und bei Marken – und Strategieentwicklung. Hinter all diesen Ansätzen steht Denken in narrativen Strukturen. Geschichten sind die Art und Weise, wie Menschen und ihre soziale Systeme auch im beruflichen Kontext mit Veränderungen umgehen.
Ein insgesamt gelungenes kleines kompaktes Buch auf rund 120 Seiten, das einen guten Einstieg in narrative Methoden bietet.

Lisa Tomaschek-Habrina
29.1.2018

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Leeb, Trenkle, Weckenmann: Der Realitätenkeller
Hypnosystemische Konzepte in Beratung, Coaching und Supervision
Carl Auer Verlag, Heidelberg: 2011

Anlässlich des 66. Geburtstages Gunther Schmidts, dem Begründer des hypnosystemischen Ansatzes, wurde ein Buch mit praktischem Nutzen für die Leser unter Mitwirkung zahlreicher ProtagonistInnen hypnosystemischer Arbeit in Therapie und Beratung herausgegeben. Dabei gliedert sich das Werk in 4 Teile: Grundlagen des hypnosystemischen Ansatzes, Hypnosystemische Beratung, Hypnosystemisches Coaching und Hypnosystemische Methoden im vielfältigen Einsatz. 25 Praktiker, darunter Gerald Hüther, Gunther Schmid selbst, Werner A. Leeb, Martin F. Weckenmann oder auch Bernhard Trenkle, lassen sich auf rund 400 Seiten bei ihrer täglichen Arbeit über die Schulter schauen. Als Leser erhält man vielfältige Anregungen zur Anwendung in den unterschiedlichsten Praxisfeldern.

Lisa Tomaschek-Habrina
31.1.2018

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Mechthild Erpenbeck:Wirksam werden im Kontakt
Die systemische Haltung im Coaching
Carl-Auer Verlag, Heidelberg: 2017

Wer Menschen in ihrer Entwicklung begleitet, kommt um eine innere Haltung nicht herum. Eine Art „Hausgeist“ so die Autorin, der nicht systemisch-reinrassig, sondern eher eine Promenadenmischung ist. Die Geistes-Gegenwart konstituiert Kompetenz, organisiert Handeln und reguliert Beziehungsgestaltung. Ich stoße mit meiner Haltung im Coaching nicht nur in meinem Gegenüber etwas an, es verändert auch mich selbst. Stetig entwickelt sich auf diese Weise eine kräftige und variable Mischung aus Demut und Mut. Haltung- diese spezifische Art der Präsenz, eine Hinwendung im Kontakt, die sich jedes Mal von Neuem in unaufgeregter Weise vollzieht, unabhängig von Methoden und Denkschulen ist die Grundlage um ein Coachingsetting wirksam werden zu lassen.

Je mehr es gelingt, dem anderen im Sinne seiner ihm innewohnenden Eigenlogik liebevoll auf die Spur zu kommen, desto milder kann ich auch mich selbst und vor allem meine Anstrengungen betrachten.

Für die Arbeit an der inneren Haltung gibt es keine Zeitlinie, keinen Zustand der Vollendung, keinen zertifizierten Abschluss. Es ist eine immerwährende Suche, eine stet Aufmerksamkeit auf innere Prozesse, eine immer wieder neu entstehende Bereitschaft zur Veränderung.

Eine kurzweilige Reise zur systemischen Haltung im Coaching – sehr gelungen.

Lisa Tomaschek-Habrina
29.1.2018

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Consuelo Casula: Gärtner, Prinzessinnen, Stachelschweine
Methaphern und Geschichten für die persönliche und berufliche Entwicklung
Carl Auer Verlag, Heidelberg: 2017

Das Buch ist ein großer Fundus für Fachleute, die bei ihrer Arbeit Metaphern als Instrument verwenden wollen.

Es verfolgt dabei zwei Ziele: Methoden anzubieten, wie man Metaphern konstruieren kann, die speziell auf die Person zugeschnitten sind, der man sie erzählt. Das zweite Ziel ist, dem Leser viele Geschichten anzubieten, die als modellhafte Beispiele dienen sein Repertoire zu erweitern. Dabei beschreibt Casula was Metaphern sind, welche Funktionen sie haben, wie man sie aufbaut, welche semantischen Merkmale zu beachten sind und wie man sie zu bestimmten Themen anwenden kann: Themenbereiche wären: Emotionen, in Paarbeziehungen, negative Denkweisen oder Metaphern im Ausbildungsbereich. Die Geschichten sind dazu da, mündlich erzählt, nicht geschrieben zu werden. Die Metapher lebt und verändert sich, während sie erzählt wird. Die meiste Inspiration habe die Autorin durch Milton H. Erickson erfahren. Andere Inspiratoren finden sich jeweils am Ende des Buchs kapitelweise aufgelistet, auf deren Fundament die Arbeit der Autorin basiert.

Guter Fundus und Mut gebendes Werk, zum Selbstgestalten von Metaphern im eigenen Arbeits- und Lebenskontext.

Lisa Tomaschek-Habrina
31.1.2018

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Bohne, Ohler, Schmidt, Trenkle (Hg)
Reden reicht nicht!?
Bifokal-multisensorische Interventionsstrategien für Therapie und Beratung
Carl Auer Verlag: 2016

Nonverbale Interventionsformen finden immer mehr Einzug in Therapie und Beratung, da man manchmal den Eindruck gewinnt, das Reden allein nicht reicht. In diesem Buch geben neuen Autoren unterschiedliche Perspektiven, Einblicke und Konzepte methodischer Ansätze: Von der Prozess- und Embodimentfokussierten Psychologie (PEP) zu Eye Movement Integration (EMI) , Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) ergänzt durch hypnosystemische Ansätze und Ego State Therapie. Wie wichtig jedoch es ist, gerade nonverbale Interventionen entsprechend verbal plausibel einzuführen und adäquat zu rahmen führt uns Gunther Schmidt nochmal am Ende des Buches vor Augen. Aus dem Autopoiesekonzept folgt auch , dass Bedeutung und Wirkung einer Intervention nicht vom Sender sondern ausschließlich vom Empfänger- dem Klienten bestimmt wird. Also benötigt es eine auf den Klienten ausgerichtete Einführung, damit Interventionen solcher Art nicht zur Überforderung, sondern zu hilfreichen Werkzeugen für den Klienten werden können.
Hilfreich für den Alltag – und lesenswert!

Lisa Tomaschek-Habrina
8.3.2017

Michael B. Buchholz (Hrg)
Die Macht der Metapher in Psyche und Kultur
Interdisziplinäre Perspektiven
Psychosozial Verlag, Gießen: 2015

Unsere gesamte Kommunikation ist durchzogen von Sprachbildern. Das Buch zeigt auf, wie Probleme oft nur mithilfe von Sprachbildern zum Ausdruck kommen, wie sie bewusstes und unbewusstes Erleben organisieren und in der Psychotherapie neue Wege des Verständnisses erschließen können. Die moderne Metapherntheorie kann auch nicht auf soziale und neuronale Grundlegung verzichten. „Neurons that fire together wire together“ Verschiedene Typen neuronaler Kreisläufe entstehen und bilden höhere Level der Informationsverarbeitung und die Ausbildung von konzeptuellen Metaphern wird als Teil des kognitiven Unbewussten gesehen. Die moderne Theorie der Methapher, wie sie skizzenhaft in Buchholz Buch wiedergegeben wird, eignet sich gut für die Untersuchung von therapeutischen Dialogen. Da mithilfe von Metaphern nur einzelne Aspekte (Lakoff & Johnson 2007) eines Zusammenhangs ins Blickfeld geholt werden, erzeugen sie im Moment ihrer Anwendung Sinn und reduzieren dadurch Komplexität, dadurch werden sie der Komplexität jedoch nie ganz gerecht, da sie im hohen Maß perspektivisch sind. Eine Bedingung für erfolgreiches Handeln im Alltag scheint die zu sein, dass man permanent mit Metaphern jongliert. Metaphern helfen auch, Gefühle zu konzeptualisieren und zu regulieren, und sie bilden eine Möglichkeit, den anderen sinnhaft zu verstehen. Wir kochen vor Wut oder sind niedergeschlagen. Mentale Zustände werden mithilfe von sensomotorischen Erfahrungen mentalisiert. Mentalisierunge bezeichnet also die Fähigkeit des Menschen sich mentale Zustände im eigenen Selbst und in anderen vorzustellen, eigene mentale Zustände zu regulieren und Verhalten sinnhaft erklären zu können. (Fonagy et al 2002). All dies hat die Funktion, die Realität zu verarbeiten und zu bewältigen, indem sie eine psychologische Distanzierung ermöglicht. Patienten Metaphern für sein Empfinden anzubieten, oder Metaphern, die der Klient verwendet aufzugreifen und weiterzutreiben, kann als Bestandteil kontigenter und markierter Affektspiegelung betrachtet werden. Psychotherapie hat die Aufgabe bei der Konzeptualisierung mentaler Zustände behilflich zu sein. Metaphern sind eine Mittel, psychotherapeutisch zu intervenieren und sie können dadurch den Aufbau sekundärer Affektrepräsentanzen anstoßen.
Hilfreich für PraktikerInnen.

Lisa Tomaschek-Habrina
6.1.2016

Eickhorst Andreas, Röhrbein Ansgar (Hg)
„Wir freuen uns, dass Sie da sind!“
Beratung und Therapie mit Vätern
Carl Auer Verlag: 2016

Obwohl häufig ein anderes Bild von Vätern in der Therapie gezeichnet wird, wollen sich Väter dennoch intensiv für ihre Kinder engagieren. Es gilt Rahmenbedingungen dafür zu schaffen: in den Familien, der Gesellschaft, in den Beratungseinrichtungen sowie in der Politik, dass dies auch gelingt. Dieses Buch stellt einen Fundus praktischer Herangehensweisen dar. Das Buch gliedert sich in 3 große Teile:

  • Vaterschaft heute
  • Grundhaltungen in der Arbeit mit Vätern
  • Interventionen in der Arbeit mit Vätern

Rund 20 Autoren schreiben von fehlenden Vätern in der Suchthilfe, von Männern und Vätern in der Kita, Väter im Strafvollzug oder Väter von Kindern mit Behinderungen.
Den beiden Herausgebern gelingt es einen breiten Bogen an Themenfeldern in das Buch mit hineinzunehmen: von empirischen Daten und Studien zu vielen praktischen systemische relevanten Ansätzen.

Lisa Tomaschek-Habrina
8.3.2017

Gratz, Röthel, Sattler-Zisser
Gesundes Führen
Mitarbeitergespräche zur Erhaltung von Leistungsfähigkeit
und Gesundheit in Unternehmen
Linde, Wien: 2014

Das Autorentrio legt in diesem Buch dar, dass ein enger Zusammenhang zwischen Gesundheit und Arbeitszufriedenheit besteht. Dabei versuchen sie Prinzipien was sie unter gesunder Führung verstehen zu vermitteln, zur Selbstbeobachtung und Selbstreflexion anzuregen und unterschiedliche Gesprächsformen anzubieten. Dass im Kapitel 4.3.4. beschriebene Schema zur Auswahl des Gesprächstypus soll die Führungskraft darin unterstützen, welcher Zugang für den jeweiligen Mitarbeiter dienlich ist. Auf den ersten Blick als Überblick sicherlich hilfreich, zur Ersteinschätzung der Lage. Zur Auswahl gibt es das Anerkennungsgespräch, das Regulierungs-, Stabilisierungs-, Förder-, und Arbeitsbebewältigungsgespräch. Der zweite Blick aus der Praxis gesprochen jedoch verrät Mischformen der Typen als sinnvollere Einteilung. Das Autorentrio hat auf 200 Seiten kompakt, nicht immer übersichtlich (aufgrund des kleinen Format) aber praxisrelevante, gut verständliche Überlegungen für Führungskräfte zum Thema Gesundes Führen zusammengestellt.

Lisa Tomaschek-Habrina
29.11.2015

Gerald Hüther
Etwas mehr Hirn bitte
Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen: 2015

Hüther beschreibt hier, dass unser Gehirn sein Potential in Netzwerken mit anderen entfalten kann. Gemeinsam verfügen wir über deutlich mehr Hirn als allein – so lässt sie der Titel programmatisch verstehen. Das Buch gliedert sich in 3 Teile. Der erste Teil befasst sich mit der Frage, wo unsere Erkenntnis und die daraus abgeleiteten Vorstellungen eigentlich herkommen. Der zweite Teil mit dem, was hat uns so werden lassen oder gar zu dem gemacht, was wir sind. Und im dritten Teil leitet Hüther aus den vorangegangenen Erkenntnissen ab, dass es auch anders geht. Wir können anders miteinander umgehen. Statt uns gegenseitig zu Objekten unserer Bewertungen, Absichten und Maßnahmen zu machen, könnten wir einander auch einladen, ermutigen und inspirieren, unsere Lust am eigenen Denken und unsere Freude am gemeinsamen Gestalten wiederzuentdecken. Nur so kann es, der Ansicht Hüthers gelingen, die in jedem Einzelnen und in jeder menschlichen Gemeinschaft angelegten Potentiale zur Entfaltung zu bringen.
Hüther versteht es neurobiologische Prozesse verständlich mit handlungsleitenden Anregungen zu verknüpfen, die alltagstauglich sind.

Lisa Tomaschek-Habrina
7.1.2016

Theodor Itten, Ron Roberts
Politik der Erfahrung
Psychosozial Verlag, Gießen: 2016

In diesem Buch versuchen die Autoren zu untersuchen, wie es zur heimlichen Politisierung der Erfahrung und dem Verkauf von Wissen an den Meistbietenden gekommen ist. Was hilft Menschen innerhalb und außerhalb der Psychotherapie, sich selbst zu helfen und zu einer kontinuierlichen Praxis der Selbstfürsorge zu finden? Welche tiefen Gräben gibt es zwischen der universitären Psychologie und der praxisnahen Psychotherapie? In 12 Kapiteln widmen sie sich unterschiedlichen Topics, um das Wechselspiel von Praxis, Theorie und tagtäglicher Erfahrung kritisch zu beleuchten. In den ersten Kapiteln reflektieren sie ihre eigenen Ursprünge und Sichtweisen sowie Grundannahmen, von denen sich die Disziplinen der Psychologie und der Psychotherapie leiten lassen. Was tun wir in der Psychotherapie? Als Psychotherapeut gibt man PatientInnen die Freiheit, sie selbst zu sein und ihre inneren Sehnsüchte, Phantasien und Wünsche zum Ausdruck zu bringen, um die zu werden, die sie sind. Zu den Zielen einer Therapie gehört, dass man aufhört, sich für die Person, die man ist, zu schämen. Im Kapitel 5 widmen sie sich dem therapeutischen Mitgefühl um sich im Kap. 9 mit der Politik der Wahrhaftigkeit in der Psychotherapie zu beschäftigen. Für alle die im psychotherapeutischen Feld arbeiten eine kritische und außergewöhnliche Perspektive auf die Frage, wie man in der neoliberalen Wirklichkeit des Heute psychotherapeutisch praktizieren kann.
Lesenswert!

Lisa Tomaschek-Habrina
15.8.2016

Jan Belckwedel
Systemische Therapie in Aktion
Kreative Methoden in der Arbeit mit Familien und Paaren
Vandenhoeck & Ruprecht Verlag: 2011, 3. Auflage

Aktionsmethoden in der Arbeit mit Gruppen und in Fortbildungen sind seit langem anerkannt und Ergebnisse aus der Neurobiologie liefern gute Argumente für den Einsatz erlebnisintensiver Methoden.
Doch in der Praxis überfällt so manche Therapeuten eine Art Lähmung.
Bleckwedel weist auf den verantwortungsbewussten Umgang mit diesen Techniken hin, um das fachliche und ethische Wissen und gleichzeitig betont er, dass er nicht an die Wirksamkeit von Methoden, sondern von der Wirksamkeit von Therapeuten glaubt, die Begegnung angemessen gestalten und Methoden passend einsetzen.

Systemische Therapie in Aktion bedient sich häufig psychodramatischer Methoden, deshalb ist ein großes Kapitel genau diesen Grundlagen des Inszenierens gewidmet mit Beispielen und Vorgehensweisen. Systemische Interventionen wie aktivierte Rangfolgen, Skalierungen, Aufstellungen, Entwicklungslinien etc. werden ebenso beleuchtet, kurz und brauchbar beschrieben.

Lisa Tomaschek-Habrina
27.7.2012

Joachim Bauer
Arbeit
Warum unser Glück von ihr abhängt und wie sie uns krank macht
Blessing: München : 2013

Joachim Bauer analysiert unsere Arbeitswelt und zeigt auch Lösungswege. Nicht der Mensch ist der Arbeit, die Arbeit dem Menschen anzupassen. Wie kann Arbeit glücklich machen? Rapide Zunahme von Burnout und Stresserkrankungen in die Erschöpfungsgesellschaft ist zu verzeichnen, ein Default Mode Network – ein Unruhe-Stress System. Schaffen wir die Arbeit oder schafft sie uns?
Bauer beschreibt auch das Burnout Phänomen, dass nicht erst seit Freudenberger in den 70er Jahren, sondern bereites durch Kurt Lewin in den 20er Jahren als psychische Sättigung beschrieben wird. Ein Konflikt zwischen Pflichtgefühl und Nicht mehr Können. Bauer räumt auch mit dem immer wieder kolpotierten Irrtum auf, Depression sei mit Burnout gleichzusetzen. Arbeitsstress führt mit hoher Wahrscheinlichkeit ins Burnout Syndrom. Ein Burnout Syndrom bedeutet nicht notwendigerweise Depression. Das Burnout Syndrom kann eine Durchgangsstation vom Arbeitsstress zur Depression sein.
Bauer versteht es wie in all seinen Büchern komplexe Materien unaufgeregt und dennoch umfassend und v.a. verständlich zu beleuchten.

Lisa Tomaschek-Habrina
5.1.2015

Dagmar Kumbier
Das Innere Team in der Psychotherapie
Methoden und Praxisbuch
Klett-Cotta, Stuttgart: 2013

Viele therapeutische Ansätze arbeiten mit unterschiedlichen Persönlichkeitsanteilen. Die Art wie diese innerpsychische Vielstimmigkeit verstanden und wie damit gearbeitet wird, unterscheidet sich jedoch beträchtlich. Kumbier fühlt sich Schulz von Thun verpflichtet zeigt jedoch auch Möglichkeiten des psychodramatischen, gestalttherapeutisch und systemischen Arbeitens mit dem inneren Team. Ihr Bezugsrahmen ist im Wesentliche der einer ambulanten Praxis mit KlientInnen mit Depressionen, Angststörungen, Somatisierungsstörungen, Traumafolgeerkrankungen u.a. Wie der Mensch in seinem inneren Orchester wieder Regie führen lernen kann, zeigt die Autorin anhand von praxisnahen Fallbeispielen, die sehr eindrücklich vermitteln, wie hilfreich die Arbeit mit dem inneren Team sein kann. Es kann schwierige und komplexe Themen auf einen leicht zu verstehenden Nenner bringen und die Methoden wirken spielerisch. Dabei kann jedoch aus dem Blick geraten, dass dies hoch potente therapeutische Instrumente sind, die schenll in eine große Tiefe führen, die dann auch bewältigt werden will.

Lisa Tomaschek-Habrina
1.10.2014

Matthias Lauterbach
Einführung in das systemische Gesundheitscoaching
Carl Auer Verlag, Heidelberg: 2013

Gesundheit und Gesunderhaltung sind Anliegen im Gesundheitscoaching. In diesem kleinen Büchlein werden Theorie, Methodik und Themenfelder kurz und griffig dargestellt. Von der Haltung bis zur Prozessgestaltung, dem Stresserleben und der Gesundheit im Unternehmen reichen die Themen, die Lauterbach beleuchtet. Gesundheitscoaching platziert Lauterbach ganz bewusst zwischen individueller Gesunderhaltung und der betrieblichen Gesundheitsförderung. Es stellt das Missing Link dar, das die Gesundheitsorientierung des einzelnen Menschen und die Gesundheitsförderung von Unternehmen und Organisationen verbindet.

Lisa Tomaschek-Habrina
18.3.2016

Veronika Kotrba, Ralph Miarka
Agile Teams lösungsfokussiert coachen
dpunkt Verlag, Heidelberg: 2017, 2. Auflage

Wenn Sie in irgendeiner Form mit Teams zu tun haben, kann dieses Buch hilfreich für sie sein. Der Fokus liegt hierbei auf lösungsfokussiertes Kurzzeit-Coaching, und wie Führung im agilen Umfeld funktionieren kann. In neun Kapiteln erfahren sie hilfreiches über lösungsfokussiertes Vorgehen im Teamcoaching, über Fragetechniken, Konflikte im Team, wie man Meetings gestaltet und last but not least, wie die Rollendefinition des Coaches auch im Hinblick auf agile Organisationen von Wichtigkeit ist.

Kotrba und Miarka schaffen es auf rund 240 Seiten essentielles über agile Denkweisen und lösungsfokussiertes Coaching heraus zu arbeiten. Sowohl das agile wie lösungsfokussiertes Arbeiten leiten sich aus der Beobachtung von erfolgreichem Verhalten ab. Im Zentrum stehen dabei Werte und Prinzipien, die von den Anwendern selbst gestaltet werden im Zusammenwirken des Coaches, der Teams und der Kunden. Allem voran benötigen die Parteien viel Vertrauen zueinander. Das Team vertraut auf die Methodenkompetenz des Coaches, der Coach und Kunde, dass das agile Team hochqualitative Arbeit leistet. In diesem dynamischen Umfeld der gegenseitigen Beeinflussung erfahren wir, dass Lösungsfokus und Agilität zutiefst systemisch ist. Im agilen Feld arbeitet man ebenso in abgeschlossenen Arbeitseinheiten (sprints) wie im Coaching (einige Stunden). In beiden Ansätzen hat jede Einheit ein eigenes Ziel, das dazu beiträgt, das dahinterliegende große Ziel zu erreichen.
Kotrba und Miarka beschreiben die möglichen Aufgaben des agilen Coaches u.a.

  • Förderung des agilen Mindsets
  • Unterstützung bei der Zusammenarbeit mit dem Product Owner
  • Hilfestellung bei Konflikten bieten.
  • Moderieren von Meetings
  • Analysieren und Unterstützen bei der Verbesserung agiler Entwicklungsprozesse
  • Agiles Vorgehen im Unternehmen weiter entwickeln
  • Mentoring
  • Entwickler beim Anwenden von agilen Methoden

Somit beschreiben die Autoren den agilen Coach als Experten agiler Vorgehensmodelle, deren Komponenten und Wirkungsprinzipien. Dieses Wissen stellt er in den Dienst von Organisationen und Teams, um sie in ihrer Entwicklung hin zu höherer Wirksamkeit und Zufriedenheit nachhaltig zu unterstützen.
Bei Teams ist es hierzu wichtig, eine gemeinsame Vision zum Produkt und zur Zusammenarbeit zu entwickeln und fest zu halten, in dem Eckpfeiler zum Projekt, dem Sinn der Arbeit und Kooperation, der Vision und Mission, gemeinsame Werte, Prinzipien und Arbeitsvereinbarungen sowie Projektgrenzen und gegenseitige Erwartungen verschriftlicht werden.

Arbeiten mit Teams und mit agilen Teams im Besonderen, stellt andere Herausforderungen an Coaches, als im Einzelsetting. Dieses Buch stellt ein gebündeltes Rüstzeug zur Verfügung und bietet auch erfahrenen Coaches eine hilfreiche Lektüre.

Lisa Tomaschek-Habrina
24.8.2017

Monika Gruhl
Resilienz für Lehrerinnen und Lehrer
Kraft für die Schule und für mich
Kreuz : Freiburg : 2014

Als Trainerin und Mitbegründerin des Resilienzzentrums hat Gruhl Interventionen Übungen und Anregungen entwickelt um Lebenskräfte und –fähigkeiten bei Erwachsenen insbesondere bei LehrerInnen zu fördern und zu erweitern. Gruhl beschreibt Belastungsfaktoren für Lehrende anhand von Fallbeispielen und Schlüsselkompetenzen für Lehrende um ihre Resilienz zu trainieren. Ein kleines feines Buch, sicherlich kein großer Wurf, und dennoch ein guter Anfang für Lehrende.

Lisa Tomaschek-Habrina
4.1.2015

Gerald Musger (Hrsg)
Gesund, sozial und nachhaltig managen
Handbuch für verantwortungsvolle Führungskräfte
OGB Verlag, Wien: 2013

Die Interessensgemeinschaft work@professional der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier hat sich hier auf Fragen der verantwortlichen MA-Führung konzentriert. Das vorliegende Handbuch zeigt in Modulen zu einzelnen Aspekten der Führungsarbeit wie z.B., Burnout, Mobbing, Fürsorgepflicht aber auch MitarbeiterInnengespräch oder Datenschutz, die Vielfalt und Verantwortung von Führung und den Wandel im letzten Jahrzehnt.
Grundsätzlich ein prägnantes, leicht lesbares und brauchbares Buch, auch wenn manchmal der berufliche Hintergrund und persönliche Zugang der AutorInnen zum Thema mancherorts zu viel hervorblitzt. So leider passiert beim Herausgeber selbst im Kapitel Coaching und Supervision: dies liest sich leider wie eine Werbeeinschaltung des ÖVS. Gerade wenn man von Coaching für Führungskräften spricht, darf der ACC (österreichischer Dachverband für Coaching) nicht unerwähnt bleiben.

Lisa Tomaschek-Habrina
9.7.2014

Peter Nemetschek
Milton Erickson lebt!
Eine persönliche Begegnung
Klett-Cotta, Stuttgart: 2011

Peter Nemetschek hat Milton Erickson 1979 in Arizona bei einem Seminar persönlich kennenlernen dürfen. 30 Jahre nach dieser Begegnung findet der Autor die Zeit, die Fotos, Transkripte und Erfahrungen dieser Begegnung zu Papier zu bringen. Nemetschek gibt uns einen Einblick in das Wirken des kreativen Psychotherapeuten, wie die Begegnung zustande kam, aufgrund eines eindrucksvollen Briefes, wie einfach und bescheiden Erickson lebte, und wie beeindruckend er in Seminaren die Erfahrungswelt der Teilnehmenden bereicherte.
Lesenswert!

Lisa Tomaschek-Habrina
1.10.2014

Norman Schmid
Nicht immer denken
Die Kraft von Achtsamkeit, Stille und Konzentration
Maudrich : Wien: 2014

Achtsamkeitsmeditation, kognitive Umstrukturierung negativer Gedankenmuster, Neurofeedback all dies wird einfach und verständlich, praxisnahe erläutert. Übungen für den Alltag der Achtsamkeit werden von Schmid brauchbar beschrieben.

Lisa Tomaschek-Habrina
4.1.2015

Peter M. Wehmeier
Erfolg ist, wenn es mir gut geht!
Burnout vermeiden durch Selbstmangement
Vandenhoeck&Ruprecht: Göttingen : 2013

Wehmeiers Selbstmanagement-Konzept beruht auf fünf Grundvorgängen, die er in seinen Führungsseminaren entwickelt habe. Aneignung oder Erkenntnis, Beziehung, Planung, Entscheidung und Handlung. Er meint, um Burnout zu vermeiden, müssten wir uns mit diesen 5 Grundvorgängen unseres Lebens auseinandersetzen. So schreibt er: Veränderungen kommen nicht durch eine Veränderung der Haltung zustande, sondern durch Verhaltensänderung! Veränderung kann nur durch beides zustande kommen: zunächst durch Veränderung der Haltung (Denken, Einschätzen), in Folge durch Änderung des Verhaltens (das konkrete Tun) und sie beeinflussen einander gegenseitig- dies ist mittlerweile auch neurobiologisch bestätigt. Interessanterweise beschreibt er dies genau so im Kapitel Aneignung als komplexen Prozess der Wahrnehmungsvorgänge in Form der bekannten Assimilation und Akkommodation. Selbstmanagement bedeutet auch immer Gestaltung von Veränderung. Wehmeier`s Buch bringt einiges Brauchbares und vieles bereits Bekanntes. Ich nehme den Autor beim Wort : Nehmen Sie Dinge nicht übermäßig ernst. Tragen Sie Enttäuschungen nicht mit Fassung, sondern mit Humor.

Lisa Tomaschek-Habrina
5.1.2015

Raoul Schindler
Das lebendige Gefüge der Gruppe
Ausgewählte Schriften
Psychosozial Verlag, Gießen: 2016

Raoul Schindler der 2014 verstorbene Psychotherapeut und Psychiater, vielen auch bekannt als jener, der die Grundprinzipien der Psychodynamik in der Gruppe beschrieben hat, wird dieses Buch von 7 Herausgebern gewidmet. Das Buch besteht aus 3 Teilen: Der erste enthält eine Biografie Schindlers, dem folgt eine historische Darstellung des sich entwickelnden österreichischen Feldes der Gruppendynamik. Der zweite Teil besteht aus ausgewählten Originaltexten, die in historische Lebensabschnitte angeordnet sind. Somit erfüllt dieses Buch auch einen großen Zweck, Originaltexte zur Rangdynamik wieder zugänglich zu machen, um nicht mehr auf Sekundärliteratur angewiesen zu sein. Der dritte Teil wird durch ein Glossar zentraler Begriffe, einem tabellarischen Lebenslauf und einem Werkverzeichnis abgerundet.
Ein Fundus für alle mit Gruppen arbeitende.

Lisa Tomaschek-Habrina
19.3.2017

Reschke, Schröder
Optimistisch den Stress meistern
Ein Programm für Gesundheitsförderung, Therapie und Rehabilitation
dgvt : Tübingen: 2010

Das Stressprogramm hat den Anspruch vor allem ein adaptives, individualisierbares Programm zu sein, das Anforderungen und Belastungen der modernen Arbeitswelt berücksichtigt und dabei Methodenelemente anderer Stressprogramme zu integrieren.
Herausgekommen ist eine Sammlung von brauch- und weniger brauchbaren Übungen zur Stressanalyse, Entspannungstechniken, Ressourcenstärkung, und Erhöhung der Bewältigungskompetenzen einsetzbar im Einzel- als auch Gruppensetting. Profis finden viel Bekanntes wieder und Beginners eine gute Struktur für den Anfang und die Anwendung.

Lisa Tomaschek-Habrina
4.1.2015

Riedelbauch, Laux (Hg)
Persönlichkeitscoaching
Acht Schritte zur Führungsidentität
Beltz Verlag, Weinheim: 2011

Dieses Buch richtet sich an Coaches, Führungskräfte, Auszubildende und interessierte Leser, die Möglichkeiten der systematischen, praktischen Coachingarbeit zu den Themen, Persönlichkeit, Identität, Selbstdarstellung auf der Basis eines psychologischen Fundaments kennenlernen wollen.
Viele Menschen beschäftigen die Fragen: „Wer bin ich, wer möchte ich sein, wer könnte ich sein und wie sehen mich die anderen?“ Die Autoren versuchen in 8 Schritten zur Identitätskonstruktion ihr Know how als Persönlichkeitspsychologen für Coaching nutzbar zu machen. Von der Anliegenklärung (Schritt 1) zur Aktivierung realer und möglicher normativer Selbstbilder (Schritt 2+3), zum Schritt 4 der Selbst- und Fremdbildabgleichung und der Klärung von Selbstdarstellungsmustern (Schritt 5), der Klärung von Rahmenbedingungen (Schritt 6), der Ressourcenerweiterung (Schritt 7) bis schließlich einer Etablierung einer individuellen Führungsidentität (Schritt 8).
Der Einsatz erlebnisaktivierender Methoden in Beratung und Coaching wird auch in diesem Buch wieder sehr deutlich gemacht. Vom inneren Team über das Doppeln, der 6 Hüte von de Bono bis hin zum Rollenwechsel werden unterschiedliche Methoden erläutert . In kurzen Projektbeschreibungen werden Vorgehensweisen des Persönlichkeitscoachings der Autoren für den besseren Praxistransfer skizziert.
Im Ganzen gesehen ein sehr brauchbares Buch.

Lisa Tomaschek-Habrina
1.1.2017

Ruth Seliger
Einführung in Großgruppen-Methode
Carl Auer Verlag, Heidelberg: 2015, 3. Auflage

Ruth Seliger gibt mit diesem kleinen Büchlein nicht nur einen guten Überblick über bewährte Großgruppen-Methoden wie Open Space, Zukunftskonferenzen oder Real Time Strategic Change-Konferenzen, sondern bereichert es auch mit ihrem großen Erfahrungsschatz v.a. bei Veränderungsprozessen sei es in Groß- oder Kleinunternehmen, Non-Profit-Organisationen oder öffentlichen Einrichtungen, indem sie einen systemtheoretischen Bezug eröffnet, über Prinzipien Methoden von Großgruppenarbeit berichtet, welche Formen und Schwerpunkte einzelne Methoden aufweisen sowie Merkmale aufzeigt, worauf es bei der Planung und Durchführung von Großgruppenkonferenzen ankommt. Für all jene die damit beginnen wollen als auch für jene erfolgreichen Anwender, die ein Nachschlagwerk suchen äußerst brauchbar.

Lisa Tomaschek-Habrina
18.3.2016

Sommer, Kuhn, Milletat, Blaschka, Redetzky
Resilienz am Arbeitsplatz
Mabuse Verlag, Frankfurt: 2014

Resilienzentwicklung ist ein langfristiger Prozess, der sich in den Herausforderungen des täglichen Lebens entfaltet und verwirklicht. Die in diesem Buch vorgestellten Trainingsempfehlungen sind Hilfen zur Selbsthilfe, um diesen Prozess auf den Weg zu bringen und zu begleiten. Resilienzentwicklung bedeutet auch Verhaltensänderung, um die eigenen Ressourcen und die psychische Gesundheit besonders gut schützen zu können. Einige Menschen sind zwar sehr beansprucht, und trotzdem wirft sie scheinbar nichts aus der Bahn. Sie strahlen Gelassenheit und Optimismus aus und vertrauen auf ihre eigenen Fähigkeiten. Was hält uns gesund und nicht was macht uns krank ist das was die Resilienzforschung seit Emmy Werner in den 50er Jahren beschäftigt.
Im ersten Teil des Buches wird die Resilienzforschung beschrieben. In Teil 2 und 3 des Buches gibt es praktische Hinweise von Denk- und Handlungsanstößen zur Entwicklung ungenutzter Resilienzpotentiale. In Teil 4 werden die Führungskräfte beleuchtet und Unterstützungsmodelle für Unternehmen vorgestellt, wie z.B. den Resilienzbarometer.

Lisa Tomaschek-Habrina
29.7.2016

Jürgen Tempel/ Juhani Ilmarinen/ Giesert Marianne
Arbeitsleben 2025
VSA Verlag Hamburg: 2013

Die Arbeitsanforderungen werden sich in den nächsten Jahren massiv verändern alleine durch die demographische Entwicklung. Dazu braucht es eine Demografiestrategie, eine Fachkräfte-Offensive und nicht zuletzt eine Initiative Neue Qualität der Arbeit – so der Bundesminister für Arbeits und Soziales in Deutschland – Hans-Joachim Fuchtel. In diesem Buch wird das Haus der Arbeitsfähigkeit vorgestellt. Im zweiten Teil wird an Beispielen betrieblicher die Praxisanwendung aufgezeigt. Im dritten Teil wird die Entwicklung vom betrieblichen Gesundheitsmanagement zum betrieblichen Arbeitsfähigkeitsmanagement beschrieben. Gute Tabellen und aufbereitetes Zahlenmaterial.

Lisa Tomaschek-Habrina
6.1.2014

Bernhard Trenkle
Dazu fällt mir eine Geschichte ein
Direkt-indirekte Botschaften für Therapie, Beratung und über den Gartenzaun
Carl-Auer Verlag: Heideberg: 2014

Geschichten, Bilder, Metaphern, Gleichnisse sind in der Therapie im Coaching oder anderen Settings hilfreiche Möglichkeiten, um aus Sackgassen kreative Wege zu lukrieren. Trenkle ist eine Meister des Seedings, jener Ericksonschen Technik, den Klienten auf eine Veränderung oder eine Intervention vorzubereiten.
Eingebettet in kleine Fallvignetten aus seiner Praxis werden vielfältige Einsatzmöglichkeiten rasch deutlich.
Sehr brauchbar.

Lisa Tomaschek-Habrina
1.1.2015

Manfred Vogt & Heinrich Dreesen (Hrsg)
Rituale, Externalisieren und Lösungen
Interventionen in der Kurzzeittherapie
Borgmann, Dortmund: 2008

Das gemeinsame Gestalten und Anwenden von Ritualen bietet viele Möglichkeiten sinnlich, farbenfroh und kreativ die therapeutische Praxis lebendiger zu gestalten. Die Autoren zeigen anhand von Behandlungsansätzen bei Essstörungen, Sucht, im Umgang mit Trauer und Tod, sowie Rituale zur persönlichen Gesundheitsvorsorge, welche Funktionen Rituale übernehmen können:

  • Kontinuität und Gemeinsamkeit zu fördern
  • Schutz und Kraft zu geben
  • Soziale und psychische Übergangsprozesse zu strukturieren
  • Heilung zu bewirken

Juchmann beschreibt bei essgestörten KlientInnen, wie sie im Kontext einer therapeutischen Wohngruppe systemisch-lösungsorientierte Einzugs- und Auszugsrituale gestaltet. Beyerbach zeigt bei Magersüchtigen wie die Externalisierung nach Michael White den Freiraum zwischen der Person und ihrem Problem schafft. Die anorektische Seite wird nur noch ein Teil der Person, man kann mit ihr in Beziehung treten, mit ihr kommunizieren und sie gegebenenfalls sogar entkräften.

Gerber Eggimann zeigt, wie sie mit spiel- und kunstorientierter Dezentrierung KlientInnen aus dem Problemraum hinausführt und Distanz zwischen Person und Problem schaffen kann. In ihrem Beispiel verführt sie den Klienten mit bunten Pfeifenputzern in eine alternative Realität, damit er dort Ausprobieren, und Geschehen-lassen kann, was im Moment der Prozess hergibt. Durch das Hinaustreten aus dem Problemraum, wird der Klient wieder handlungsfähig und steht nicht mehr unter dem Druck, der dazu geführt hat, dass er seine Situation nicht mehr bewältigen konnte.

Eine sehr brauchbare Sammlung von Handlungsfeldern und Beispielen, die Praktikern ein kurzweiliges Nachschlagewerk bescheren.

Lisa Tomaschek-Habrina
9.7.2014

Rosmarie Welter-Enderlin
Resilienz und Krisenkompetenz
Kommentierte Fallgeschichten
Carl Auer Verlag, Heidelberg: 2015, 2. Auflage

Die leider schon verstorbene Welter-Enderlin schildert in Fallgeschichten kritische Lebensereignisse, und wie Menschen diese überwunden haben. Ob es sich um einen plötzlichen Unfalltod, oder eine Krebserkrankung handelt, frühere Traumatisierungen oder schwierige Familiengeschichten. Welter-Enderlin zeigt uns 11 Geschichten, die trotz ihrer Erfahrungen Wege fanden, diesen Krisen zu begegnen: gedeihen trotz widriger Umständen. Sie zeigt ebenso, was wirksam war, bei der Bewältigung und gibt uns am Ende eine Art kleinen Leitfaden für die Hilfestellung durch BeraterInnen und einen Leitfaden für Betroffene.

Lisa Tomaschek-Habrina
17.7.2016

White/Epstone
Die Zähmung der Monster
Der narrative Ansatz in der Familientherapie
Carl Auer, Wien: 2013, 7. Auflage

Das Standardwerk von Michael White und David Epstone über die Externalisierung und narrativen Methoden in der Familientherapie, zeigt uns unverblümt wie sich unser Leben in Erzählungen und Geschichten gestaltet. Die Bedeutung und Nutzung von schriftlichem Material, insbesondere von Briefen im therapeutischen Prozess wird v.a. im zweiten Teil eindrucksvoll durch Fallbeispiele belegt. Hier finden wir selbstverfasste Diplome für Spezialwissen, Unabhängigkeitserklärungen von Problemen, Urkunden zur Befreiung von Schuld oder Beherrschung von Wutausbrüchen sowie Diplome zur Angstbändigung. Beeindruckend v.a. die Briefe, die Epstein und White immer wieder nach Sitzungen ihren KlientInnen nachsenden. Sie betrachten die Analogie der Therapie als einen Prozess, in dem der Betroffene sein Leben und seine Erfahrungen „erzählt“ und/oder „neu erzählt“. Die Briefe, Zertifikate und andere schriftliche Dokumente tragen auf sehr konkrete Weise dazu bei, zugleich neue, möglicherweise befreiende Erzählungen zu verfassen.
Die Methode der Externalisierung von Problemen durch deren Personifizierung, damit man mit „ihr“ – z.B. der Magersucht ins Gespräch kommen kann, ist eine hilfreiche Methode, eine Beziehung zu seinem Problem herzustellen. Nicht nur das Problem hat Einfluss auf das Leben des Menschen, sondern auch der Mensch hat Einfluss auf das Leben des Problems, in diesem Fall – Einfluss auf die Magersucht. Viele Betroffene erleben sich hilflos, ohnmächtig, die Magersucht überkommt sie. Durch die Externalisierung können sie eine Beziehung, einen inneren Dialog zu ihrem Problem entwickeln, wo sie wieder Gestaltungsmöglichkeiten ihres eigenen Lebens erhalten. Nicht es gestaltet sie, sie gestalten selbst.

Lisa Tomaschek-Habrina
30.12.2013

Daniel Bindernagel, Eckard Krüger, Tielman Rentel, Peter Winkler (Hg)
Schlüsselworte
Idiolektische Gesprächsführung in Therapie, Beratung und Coaching
Carl Auer Verlag, Heidelberg: 2013, 2. Auflage

Idiolektik, die Lehre von der Eigensprache des Menschen folgt zwei zentralen Prinzipien: 1) Jedes Lebewesen ist einzigartig und 2) jedes Lebewesen hat für sein Verhalten Gründe (gute Gründe). Jeder Mensch hat seine einzigartige Weise, sich auszudrücken, die niemand nachahmen kann. Die Eigensprache ist quasi sein verbaler wie nonverbaler Fingerabdruck. Die Bedeutung, die von der Person kommt, gibt uns den Zugang zur Eigensprache. Mit Hilfe der Idiolektik, die erstmals von A.D. Jonas in den 80er Jahren beschrieben worden ist, kann man in Beratung, Coaching und Therapie äußerst eingestimmte, hilfreiche Gespräche führen.
Der ganze Körper reagiert auf seelische Probleme, ohne dass wir es wissen. Im Volksmund wird dies schon lange versprachlicht: „Mir liegt das wie ein Stein im Magen.“ „Ich nehme mir das so zu Herzen.“ „Ich ertrage es nicht mehr.“ „Das geht mir unter die Haut.“ „Ich kann das nicht mehr schlucken.“ Alltägliche Redewendungen beinhalten so neurophysiologische Konzepte. Wenn wir das in beratenden Gesprächen wahrnehmen und in einer wertschätzenden Art und Weise darauf Bezug nehmen oder erfragen, kann jede Störung als kompetente Lösungsstrategie verstanden werden, wie dies in vielen systemischen und hypnotherapeutischen Ansätzen ja bereits angewandt wird.
Kurze Gesprächsbeispiele und Anwendungsmöglichkeiten werden verständlich skizziert, anregend geschildert, sowie mit neurowissenschaftliche Grundlagen aufbereitet. Für jeden Berater, Coach oder Psychotherapeuten eine Bestätigung dessen, was wir tagtäglich tun, und wie wir noch mehr unser Sinne für die Idiolektik (jetzt hat das Kind einen Namen) zu schärfen.

Lisa Tomaschek-Habrina
28.8.2016

Ch. Bauer/ Th. Hegemann
Ich schaffs! – Cool ans Ziel
Das lösungsorientierte Programm für die Arbeit mit Jugendlichen
Carl Auer: Heidelberg: 2012, 3. Auflage

Ben Furmann hat mit Tapani Ahola die der Idee dieses Buchs zugrunde liegenden Konzept seit 20 Jahren in Finnland entwickelt und immer weiter ausgebaut. Bauer und Hegemann haben zu den Schritten von Ich schaffs! ein großes Metheodenrepertoire entwickelt, dass speziell auf die Altersgruppe von 13-17 Jahren zugeschnitten ist. Herzstück dieses Buches sind zahlreiche Praxisbeispiele, die nicht nur die 15 Schritte anschaulich machen, sondern auch das breite Anwendungsfeld.

Lisa Tomaschek-Habrina
26.10.2013

Burnout

Uschi Eichinger, Hyra Hoffmann-Machum
Der Burnout Irrtum
Ausgebrannt durch Vitalstoffmangel – Burnout fängt in der Körperzelle an.
Systemed: 2012

Das Buch soll einen Irrtum aufklären, eine Lücke schließen. In seiner Aufbereitung durchaus ja – prägnant, verständlich und profunde Beschreibungen von gestörten Zellstoffwechselvorgängen bei Burnouterkrankungen – hervorragend !! Thematisch eine Lücke schließend – nein! Dass es bei erschöpften und ausgebrannten Menschen zu erheblichen Vitalstoffmangel kommt ist nichts Neues. Dazu gibt es auch andere Publikationen.
Dass der körperliche Aspekt bei Erschöpfung bei bisherigen Publikationen und Behandlungen zu kurz kommt und Burnout in der „Psycho Ecke“ feststeckt – kann ich, wie die Autorinnen betonen – auch nicht bestätigen. Warum?

Denn alle, die sich fundiert und seriös mit dem Phänomen Burnout beschäftigen und v.a. Betroffene behandeln, würden nie auf die Idee kommen, körperliche Auswirkungen außer Acht zu lassen. Die AutorInnen unterliegen hier einem eigenen „Burnout-Irrtum“, dass in bisherigen Behandlungen nur auf psychischen und organisationalen Aspekte bei Burnout Erkrankungen der Fokus gelegt wurde.

Eine state oft he Art Behandlung berücksichtigt eine interdisziplinäre Behandlung auf körperlicher, geistiger und seelischer Ebenen, denn genau dort manifestiert sich per definitionem das Burnout Syndrom.

Die Themenvielfalt dieses Buches lässt es mehr in die Breite als in die Tiefe gehen. Dies macht es jedoch für den Interessierten lesbar und in seiner Prägnanz brauchbar und liefert wertvolle Hinweise über Evolutionsbiologie, Biochemie und Biophysik.

Gesundheit fängt in der Zelle an, heißt es hier. Aufgrund labordiagnostischer Methoden ist es heute möglich, das Ausmaß der individuellen Stressbelastung auf die Zellen und die Fähigkeit der Zellen, Energie zu produzieren, zu ermitteln. Leider sind diese Laboruntersuchungen sowohl in Deutschland als auch in Österreich kein Bestandteil der gesetzlichen Krankenversicherungen.

Sehr verständlich werden die einzelnen Botenstoffe und Stresshormone beschrieben, aber auch wertvolle Hinweise gegeben wie man die eigene Energieproduktion mit einfachen Mitteln wieder ankurbeln kann.

Generell: Prädikat wertvoll

Lisa Tomaschek-Habrina
20.4.2012

Diane Drexler
Das integrierte Stressbewältigungsprogramm ISP
Manual und Materialien für Therapie und Beratung
Klett-Cotta Verlag, 3. Auflage 2012

Das ISP zielt auf störungs- und problemübergreifen auf einen besseren Umgang mit alltäglichen Belastungen.
Das Manual richtet sich v.a. für Gruppenarbeit in Therapie, Beratung und Begleitung von betrieblichen Gesundheitsförderungsmaßnahmen und Prävention mit aus der Praxis heraus entstandenen Tools, Prinzipien, Methoden und Techniken verschiedener psychotherapeutischer Verfahren und Beratungsansätzen.

Den Grundprinzipien der Gruppenarbeit wie Warming up, Wahrnehmungs- und Achtsamsübungen, Entspannungstraining, erlebnisaktivierende Gruppenübungen, und Wissensbausteinen für Stressbewältigung wird hier Rechnung getragen.

Für „Althasen“ Trainer zum Thema Stressmanagement Vielbekanntes und Dejà vues, in ansprechender Form brauchbar zusammengestellt. Für all jene, die sich dem Thema erst annähern wollen, eine sehr praxisorientierte Sammlung von Übungen und Herangehensweisen an das Thema auch mit Arbeitsblätter-CD.

Lisa Tomaschek-Habrina
27.7.2012

Stefanie Weimer, Maureen Pöll
Burnout- Behandlungsmanual
Baukastenmodul für Einzeltherapie und Gruppen, Klinik und Praxis
Klett-Cotta Verlag: 2012

Die beiden deutschen Diplom Psychologinnen der Frankenalb-Klinik Engelthal, beschreiben in diesem Manual in 6 Modulen, wie man mit Burnout-Betroffenen v.a. im Klinikalltag zu den Themen

  • Einblick in die eigene Krankheit gewinnen
  • Kognitive Behandlung von Burnout
  • Emotionen von Burnout
  • Präventive Maßnahmen gegen Burnout
  • Sinn- und Wertefragen
  • Burnout-Rückfallprophylaxe

Sinnvoll arbeiten kann.

Sie berücksichtigen dabei die wissenschaftlich bereits evaluierten und empirisch bestätigten Herangehensweisen in der Praxis.
Innovation darf man sich nicht erwarten, wofür das Buch spricht ist seine Prägnanz, Übersichtlichkeit, in kurzen Worten sich aufs Wesentliche zu beziehen. Die Arbeitsblätter auf CD sind für den eigenen Gebrauch wahrscheinlich noch zu adaptieren, bieten jedoch eine gute Grundlage zur Konzeption.

Lisa Tomaschek-Habrina
27.7.2012

Dagmar Ruhwandl
Top im Job-
ohne Burnout durchs Arbeitsleben
Klett-Cotta: Stuttgart 2010 2. Auflage

Das 2009 zum ersten Mal erschienene Buch bringt in 7 Kapiteln informatives aber wenig innovatives zum Thema Burnout und Erschöpfung.
Klassische Übungen zum Stressmanagement werden leicht verständlich präsentiert, auch hier wird Neues vermisst.
Kapitel wie „Tipps für Kollegen und Vorgesetzte“, sowie „Warum brennt mein Job mich aus?“ geben gute Auskunft über die eigene Überforderung und die anderer mit Erschöpfung von Kollegen umzugehen.
Ein wenig spektakuläres, aber solides Grundlagenwerk für Interessierte und Betroffene.
Auf einer Bewertungsskala von 1-10 (1=nicht optimal, 10=optimal) eine 6!

Lisa Tomaschek-Habrina
18.8.2012

Tschuschke, Anbeh
Ambulante Gruppenpsychotherapie
Schattauer : Stuttgart: 2008

Die Page Studie ist in Deutschland bislang einzigartig gewesen. Es wurden mehr als 700 PatientInnen in ambulanten psychotherapeutischen Gruppen in rund 7 Jahren einbezogen. Analytische tiefenpsychologisch fundierte auf der einen Seite und psychodramatische Gruppenpsychotherapie auf der anderen Seiten wurden auf ihre Wirkung bei einem im ambulanten Versorgungsbereich typischen Patientenklientel miteinander verglichen. Fragen der Kurzzeit- gegenüber der psychotherapeutischen Langzeitbehandlung werden im ersten Teil des Buches behandelt, ebenso die Möglichkeit der Gruppen- gegenüber der Einzelpsychotherapie. Insgesamt gesehen war die Langzeit-Gruppenbehandlung objektiv und subjektiv die wirksamste Form der Behandlung dazu auch noch die zweitökonomischste. Das scheint auch in Zeiten der kassenfinanzierten Psychotherapie von Bedeutung zu sein.

Lisa Tomaschek-Habrina
3.1.2015

Thomas M.H, Bergner
Burnout bei Ärzten
Arztsein zwischen Lebensaufgabe und Lebens-Aufgabe
Schattauer: Stuttgart 2010, 2. Auflage

Burnout ist bei ÄrztInnen erschreckend häufig. Doch häufig reagiert die Ärzteschaft kaum bis gar nicht, als ob es nicht sein dürfte. Viele ÄrztInnen reagieren abwertend, Burnout haben die anderen, nicht ich. Als Helfender selbst hilfsbedürftig zu sein, scheint beängstigend, täuscht aber nicht über die permanente Überlastung dieses Berufsstandes hinweg. Schwächen zuzugeben, scheint im Selbstverständnis der Ärzteschaft nicht state of the Art zu sein.
Bergner gibt einen guten Überblick v.a. auch über die Berufung des Arztes, seine Stör- und Stressfaktoren, sowie über die Problematik im Klinikalltag.
Der Umgang mit ÄrztInnen im Burnout wird ein zentrales Thema für die Zukunft. Michael, ein häufig zitierter an Burnout erkrankter Arzt im Buch hat leider nicht mehr in den Arztberuf zurückgefunden. Er hat nach Aufgabe seiner Praxis 1 1/2a gebraucht, sich selbst einzugestehen, dass er Burnout hatte.
Insgesamt viele interessante Aspekte für ÄrztInnen zur Sensibilisierung zum Thema – kann man jedem im Gesundheitsbereich empfehlen.

Lisa Tomaschek-Habrina
17.1.2013

Ratheiser, Menschik-Bendele, Krainz, Burger
Burnout und Prävention
Ein Lesebuch für Ärzte, Pfleger und Therapeuten
Springer: Wien 2011

4 Blickwinkel auf Burnout. Aus der Sicht der klinischen Psychologie, Organisationsberatung, Gruppendynamik und medizinischer Sicht geben sie Erfahrungswerte.
Menschik-Bendele gibt einen Überblick über die Burnout Forschung, „Was hilft Helfern helfen“ beschreibt Michael Burger. Was kann Supervision, Coaching & Co? Er gibt Einblicke in die Beratungspraxis und wie ÄrztInnen geholfen werden kann. Krainz und Ratheiser beschreiben wie Organisationen und Gruppen in Kliniken funktionieren – Informationsdefizit, Hierarchierspitzen und Konflikte Einfluß auf die eigene Resilienz haben.

Dieses Buch lädt zur Selbstanalyse ein. Es zeigt persönliche Wege von KlientInnen auf, die aus schwierigen Lebenssituationen herausgefunden haben.

Lisa Tomaschek-Habrina
17.1.2013

Dieter Funke
Idealität als Krankheit
Über die Ambivalenz von Idealen in der postreligiösen Gesellschaft
Psychosozial Verlag, Gießen: 2016

Funke untersucht die unsere Gesellschaft zugrunde liegenden Ideale und stellt einen Zusammenhang zu Krankheiten wie Depression und Persönlichkeitsstörungen her. Er beschreibt das Ich-Ideal als Folge fehlender Bindung, Resonanz und Anerkennung. Er zeigt den Onlinemodus als metaphysische Nabelschnur, die digitale Abhängigkeit als Abschaffung der Autonomie und die Beschleunigung als apokalyptisches Ende der Zeit. Funke begegnet der Frage, ob neoliberale Optimierungsstrategien krank machen. Seit sich unsere Gesellschaft dem Wachstums-, Effizienz- und Optimierungsprinzip unterworfen hat, erzeugt sie im Einzelnen permanent das Gefühl, nicht genug erreicht zu haben. Weil es im Selbstkonzept des Neoliberalismus nur Gewinner gibt, erzeugt die Ausbildung ihrer Schattenseite ständig Verlierer. Funke versucht aus psychoanalytischer Sicht ein Modell heilsamer Idealbildung zu zeichnen. Ein guter Reflexionsrahmen für alle in Beratung und Therapie Tätige.

Lisa Tomaschek-Habrina
18.7.2016

Matthias Hammer
SBT: Stressbewältigungstraining für psychisch kranke Menschen.
Ein Handbuch zur Moderation von Gruppen
Psychiatrie Verlag, Bonn: 2010

Hammer hat hier ein sehr brauchbares Instrumentarium für Stressbewältigungsprogramme im klinischen und beraterischen Kontekt geschaffen. Es ist ein toller Handwerkskoffer für die tägliche Arbeit mit KlientInnen. Das Programm ist modular aufgebaut, sodass die Anwendung sehr flexibel gestaltet werden kann. Die Arbeitsunterlagen in der beiliegenden CD zu den Themen Planung positiver Aktivitäten, Problemlösen, Krisenbewältigung, Achtsamtkeit und Entspannung sind sofort einsetzbar und kaum zu adaptieren.

Lisa Tomaschek-Habrina
3.1.2014

Michael E. Harrer
Burnout und Achtsamkeit
Klett-CottaVerlag, Stuttgart: 2013

Achtsamkeit bedeutet, sich darüber bewusst zu sein, was von Augenblick zu Augenblick geschieht – im Innen und Außen. Ein weiteres Buch zum Thema Burnout hat hier der Klett-Cotta Verlag 2013 herausgegeben und fokussiert den achtsamen Umgang im Erleben des Alltags, im Sinne des salutogenetischen Ansatzes: Was hält mich gesund? Fachkundige Anleitung und Beratung kann dieses Buch nicht ersetzen, der Autor erhebt auch nicht den Anspruch – jedoch kann man dann auch gleich das Achtsamkeits-Übungsbuch des Autors kaufen, damit man effizient entschleunigt. Ein Einstieg in die Achtsamkeitswelt – mehr aber auch nicht.

Lisa Tomaschek-Habrina
3.1.2014

Heinrichs, Stächele, Domes
Stress und Stressbewältigung
Hogrefe Verlag, Göttingen: 2015

Stress ist mittlerweile gesellschaftlich akzeptierte Last der neoliberalen Gesellschaft, wer keinen Stress hat, der kann ja wohl nichts leisten. Das Anliegen des Buches ist, Stress in seiner diagnostischen und therapeutischen Relevanz zu erschließen. Der Fokus liegt auf das Gesamtverständnis der zugrunde liegenden biopsychosozialen Zusammenhänge Ein weiterer Fokus auf verschiedene Instrumente des Stressmanagements. Für Profis nichts Neues, jedoch gut zusammengefasst und übersichtlich gestaltet. Für Interessierte ein guter Einstieg mit profunden Darstellungen in ansehnlicher Länge von 100 Seiten.

Lisa Tomaschek-Habrina
29.7.2016

Andreas Hillert
Burnout – Zeitbombe oder Luftnummer
Persönliche Strategien und betriebliches Gesundheitsmanagement
Schattauer, Stuttgart: 2014

Hillert versucht augenzwinkernd, und dennoch aus der psychiatrischen Fachexpertise hinter die Kulissen des Burnout Paradigmas zu schauen und meint, man müsse dem Burnout-Phänomen dankbar sein. Obwohl nicht konkret definiert, ohne die Aufmerksamkeit garantierende Burnout –Überschrift, die aktuell in Gesellschaft und Medien zu finden sind, bekämen Themen wie Erschöpfung, Überforderung, Leistungseinbuße wohl nicht den Stellenwert, den sie in der Bevölkerung und den Unternehmen haben. Unterschiedliche Disziplinen wie psychiatrische Fachgesellschaften oder Arbeitsmediziner, die das Phänomen bis dato kaum wahrnehmen wollten ja oft sogar empört negiert hatten, bekunden nun ihre Deutungshoheit des Begriffs Burnout, der von einem selbstbetroffenen (Herbert Freudenberger) 1974 beschrieben worden ist.
Hillert liefert kein Buch der großen Antworten, sondern stellt sie zudem zusätzlich. Hillert liefert nicht einmal eine eigene Definition des Phänomens, sondern bezeichnet es als subjektives Störungsmodell. Das Burnout-Phänomen wird von einer Großzahl von Menschen emotional verstanden, obwohl jeder seine eigene Sicht darauf hat. Vergleichbares findet man bei Begriffen wie Trauer, Krise oder Midlife Crises. Befragtes steigendes Belastungserleben sagt auch nichts über objektive Belastungsgrößen aus, sondern eben nur über individuelles Erleben.
Aus Gründen der Komplexitätsreduktion wünscht sich natürlich jeder elevator speech taugliche Erklärungen, die auf einer Power Point Folie Platz haben, die dann paradoxerweise wieder zur Lebensqualitäts-Potenzierung und Leistungssteigerung optimal genutzt werden sollten – das genau ist die Kehrseite von Burnout!!

Was kann man selbst oder ihre Mitarbeiter nun gegen Burnout tun?
Natürlich lassen sich die individuellen wie systemisch-betriebsinternen Ressourcen stärken im Sinne der psychologischen Fertigkeiten, einer tragfähigen Vernetzung und optimiert humanisierter Arbeitsabläufe. Daneben kann letztlich fast alles, was die eindimensionale Fokussierung auf die ständige Steigerung der beruflichen Performance relativiert und der entsprechenden Verarmung eines Lebens substanziell entgegensteht, hilfreich sein.
Die dazu benötigte Aktzeptanz und Achtsamkeit muss jeweils individuell und neu definiert werden. Und je emotionaler, tiefgründiger und humorvoller ihre diesbezügliche Antwort ausfällt, umso besser für Sie.

Lisa Tomaschek-Habrina
29.11.2015

Gert Kaluza
Gelassen und sicher im Stress.
Springer, Heidelberg: 4. Auflage 2012

Dieses Buch ist für alle stressgeplagte Menschen geschrieben, die bereits erste körperliche und seelische Anzeichen von Überlastung oder beginnender Erschöpfung spüren, aber ebenso auch für Führungskräfte, für Personalverantwortliche und Fachkräfte aus dem Gesundheitswesen. Kaluza, Psychotherapeut, Trainer und Coach beschreibt hier v.a. das Ampelmodell von Stressoren – Stressverstärkern und Stressreaktion. Dies stellt gleichzeitig die Gliederung des Buches dar, welches grafisch gut aufbereitet und mit brauchbaren Übungen versehen ist.

Lisa Tomaschek-Habrina
6.1.2014

Hans-Christian Kossak
Prüfungsangst aus sieben Perspektiven
Carl Auer Verlag, Heidelberg: 2015

Das Konzept des kleinen, handlichen Büchleins ist darauf ausgerichtet, besonders Beratungslehrern Methoden an die Hand zu geben, mit denen diese ihre ratsuchenden Schüler bei bevorstehenden Prüfungen oder sogar bei Prüfungsängsten unterstützen und sie darin stabilisieren können, ihre Leistungen unbeeinträchtigt von Stress oder Angst voll zu erbringen. Eine Zusammenstellung von effektiv wirkenden Beratungsmethoden und Erklärungsmodellen für den Alltag in der Schulpraxis ist hier zu finden. In kleinen grauen Lernkästen werden Hinweise, Tipps und Tricks hervorgehoben. Brauchbar

Lisa Tomaschek-Habrina
17.7.2016

Theo R. Payk
Burnout
Basiswissen und Fallbeispiel
Psychosozialer Verlag: Gießen: 2013

In einem kleinen kompakten Büchlein beschreibt Payk die wesentlichen Merkmale von Burnout. Er unterscheidet dabei zwischen Burnout-Syndrom und „Burnt out“ einem anhaltendem Ausgebranntsein. Bei der Unterscheidung zwischen Burnout und Depression bleibt Payk uns eine differenziertere Unterscheidung schuldig. Die Fallbeispiele sind eindrückliche Praxisbelege von Menschen mit Erschöpfungszuständen, so wie sie uns in Behandllungssituationen immer wieder begegnen. Auch für Betroffene hat dies Wiedererkennungswert. Alles in allem gut kompakt beschrieben aber leider Behandlungspfade wie multidisziplinäre Diagnostik blieben leider aus.

Lisa Tomaschek-Habrina
26.10.2013

Hans Günther Weeß
Die schlaflose Gesellschaft
Wege zu erholsamem Schlaf und mehr Leistungsvermögen
Schattauer Verlag, Stuttgart: 2016

Der Schlaft stelle ein elementares physiologische Grundbedürfnis dar. Durch unsere Non-Stop Gesellschaft wird er jedoch häufig gestört. Smartphone und Co, Schichtarbeit, Internet, ständige Erreichbarkeit stellt Weeß in einen direkten Zusammenhang zu Schlafstörungen und die daraus resultierenden körperlichen wie psychischen Erkrankungen. Er beschreibt die Schlafarchitektur, Bedeutung der Träume, Schlaf und Arbeitswelt sowie unzählige Schlafstörungen. Weeß gibt uns jedoch auch Techniken, Tipps und Regeln für guten und erholsamen Schlaf und räumt mit einige Mythen auf. Leicht lesbar und brauchbar für Menschen in Gesundheitsberufen.

Lisa Tomaschek-Habrina
15.7.2016

Sylvia Kéré Wellensiek
Handbuch Resilienz-Training
Widerstandskraft und Flexibilität für Unternehmen und Mitarbeiter
Beltz Verlag, Weinheim: 2011

Dieses Buch kann zum einen zum Selbstcoaching verwendet werden, zum anderen als inspirierendes Methoden- und Übungsbuch, um Einzelpersonen Gruppen und Organisationen in fundierten Entwicklungsprozessen zu unterstützen. Die Inhalte richten sich an Coaches, Trainer, Berater, Personaler, GF, Führungskräfte und Menschen aus den Gesundheitsberufen. Resilienz wird hier erklärt, Selbststeuerungsmechanismen beschrieben, organisationelle Resilienz reflektiert und Teamtrainings beschrieben.

Lisa Tomaschek-Habrina
18.7.2016

Jürgen Zulley, Barbara Knab
Unsere innere Uhr
Natürliche Rhythmen nutzen und der Non-Stop Belastung entgehen
Mabuse Verlag, Frankfurt: 2014, 2. Auflage

Menschen haben eine innere Uhr. Ob Nachtschichten oder Zeitzonenflüge, durchgemachte Samstagnächte oder der Beginn der Sommerzeit: alles belastet die innere Uhr, und das hat nicht selten Folgen. Je großzügiger wir unsere biologische Ausstattung ignorieren, umso höher steigt der Preis dafür. Die Autoren berichten über chronobiologische Grundlagen wie ultra- und zirkadiane Rhythmen und ihre Störungen, sowie eine Vielzahl körperlicher und psychischer Vorgänge – vom Blutdruck bis zur Schmerzwahrnehmung, von der Stimmung bis zur Konzentration.
Leicht verständlich, dennoch fundiert und in exemplarischen Fallvignetten zeigen die Autoren wie, wenn wir natürliche Rhythmen beachten, man gesünder durch den Lebensalltag kommt.

Lisa Tomaschek-Habrina
16.7.2016