Ändert sich das Klima, hat das Auswirkungen auf die Psyche, und zwar auf unterschiedlichen Ebenen: Menschen verlieren in Stürmen, Fluten und Bränden ihr Hab und Gut, sie leiden direkt unter Hitze und Trockenheit, und schließlich kann auch eine gesteigerte Angst vor dem Klimawandel die psychische Gesundheit erheblich beeinträchtigen. Zeit also für Coaches, Psychiater und Psychotherapeuten sich mit den bereits bestehenden und noch kommenden Folgen zu beschäftigen.

 

Trauma durch Extremwetterereignisse

Mehr Hurrikans und Tornados, schwere Waldbrände, die ganze Siedlungen zerstören, Hochwasser, die alles wegschwemmen – extreme Wetterereignisse nehmen zu und setzen Menschen einem starken Stress aus. Wer sein Haus oder gar Familienangehörige verliert, ist verständlicherweise traumatisiert – mehr Extremwetterereignisse werden daher auch zu mehr traumatisierten Menschen führen,

 

Direkte und Indirekte Auswirkungen

Prof. Dr. David Pollak von der Universität in Portland differenziert bei den psychischen Auswirkungen zwischen direkten und indirekten, kurzzeitigen und langzeitigen Effekten. Extremwetterereignisse sind kurzfristige Phänomene, deren Konsequenzen die Psyche auf indirektem Weg belasten; indirekte Langzeitwirkungen auf die Psyche sieht der Psychiater beispielsweise durch steigende Meeresspiegel, anhaltende Dürren, Entwaldung sowie eine dadurch ausgelöste oder verstärkte Massenmigration. Die Langzeiteffekte setzen ganze Gesellschaften unter Stress und führen einerseits zu erheblichen Konfikten in den direkt betroffenen Regionen, andererseits aber auch in den Zielländern der Migranten.

 

Gewaltpotential steigt in Hitzewelle

Auch die direkten Effekte sind nicht zu vernachlässigen. Er nannte Untersuchungen, nach denen das Gewaltpotenzial während Hitzewellen deutlich steigt – je nach Studie werden an heißen Tagen bis zu 14 % mehr Gewaltverbrechen begangen, die Suizidrate liegt dann ebenfalls deutlich höher.

 

Psychische Störungen Einfluss auf Thermoregulation

Auch Patienten mit anderen psychischen Störungen verhalten sich in der Hitze oft nicht adäquat und vernachlässigen die Risiken. Sie nehmen einen gefährlichen Anstieg der Körperkerntemperatur oft nicht wahr. Viele psychotrope Medikamente wirken sich zudem ungünstig auf die Thermoregulation aus. Insgesamt, so Pollak, ist das Sterberisiko während Hitzewellen für psychisch Kranke rund dreifach höher als in der übrigen Bevölkerung

 

Drogen wirken bei Hitze stärker

Alkohol und illegale Drogen wirken stärker bei Hitze und Flüssigkeitsmangel, zudem kann der Rausch das Durstempfinden dämpfen und die Betroffenen davon abhalten, eine kühlere Umgebung aufzusuchen. Auch Patienten mit anderen psychischen Störungen verhalten sich in der Hitze oft nicht adäquat und vernachlässigen die Risiken.

 

Tipps im Umgang mit Hitze

  • Trinke ausreichend – am besten Wasser und ungesüßte Tees, damit Du schwitzen kannst zur Thermoregulation (auf kalte Gedränke verzichten, möglichst keinen Alkohol). Ansonsten droht eine Elektrolytstörung. Sie führt zu Müdigkeit, Mattheit, verzögerten Reaktionszeiten oder im Extremfall sogar zu Verwirrtheit.
  • Leichtes Essen: mehrere kleinere mineral- und mikronährstoffreiche Mahlzeiten zu sich nehmen
  • Verlege körperliche Aktivitäten und Erledigungen in die kühleren Morgen- und Abendstunden. Abhängig von der Sportart kann der Flüssigkeitsverlust bis zu 2,5 Liter pro Stunde betragen. Dusche nach Training lieber lauwarm, als eiskalt, sonst ist der Kreislauf zu stark belastet.
  • Halten Sie Ihre Wohnung und sich selbst möglichst kühl. Schließen und verschatten der Fenster. Eventuell einen Ventilator.
  • Kontrolliere regelmäßig die Raumtemperatur und kühle diese ggf. aktiv herunter. Sie sollte tagsüber unter 32 °C und nachts unter 24°C liegen. Übersteigt sie diese Werte, sollten Sie reagieren: Benutze möglichst wenig elektrische Geräte, denn sie geben ebenso wie Lichtquellen Wärme ab. Außerdem feuchte Tücher aufhängen oder Gefäße mit kaltem Wasser aufstellen. Die Verdunstung des Wassers kühlt die Raumluft.
  • Nutze „Entwärmungspausen“. In kühleren Bereichen (z. B. Schatten, klimatisierte Innenräume) kann der Körper Wärme abgeben. Die Pause unterbricht die starke Wärmeproduktion der arbeitenden Muskulatur. Nutzen Sie Entwärmungspausen auch zum Trinken.
  • Sorge für Sonnenschutz, im Freien. Trage leichte, luftige und atmungsaktive Kleidung. Sie ermöglicht, dass die Luft am Körper zirkuliert. Geeignete Stoffe sind Viskose, dünne Baumwolle, Leinen und Seide. Auch die Farbe hat einen Effekt auf Ihre Körpertemperatur. Trage lieber helle als dunkle Kleidung, denn sie reflektiert das Sonnenlicht. Noch wichtiger als die Farbe ist aber, dass die Kleidung locker sitzt, damit die Luft zirkulieren kann. Kopfbedeckungen sind im Sommer nicht nur ein modisches, sondern ein gesundheitliches „Must have“.
  • Achte auf dich und andere, vor allem aber auf Kinder und ältere Menschen. Menschen ab 65 Jahren sind bei hohen Temperaturen besonders gefährdet. Es beginnt damit, dass sie Hitze nicht so intensiv wahrnehmen wie jüngere Menschen. Das liegt u. a. daran, dass sie weniger schwitzen und seltener Durst haben. Hinzu kommt, dass viele Ältere gesundheitlich vorbelastet sind, z. B. durch Erkrankungen der Atemwege, des Herz-Kreislaufsystems, Diabetes oder Übergewicht.
  • Wenn Arzneimittel eingenommen werden, konsultiere vor einer Hitzewelle Ärzt:innen, um diese auf Hitzeverträglichkeit prüfen zu lassen.  Beachte insbesondere bei Hitze die Aufbewahrungshinweise in der Packungsbeilage von Arzneimitteln
  • Schlafe im kühlsten Raum der Wohnung. Versuche, Dein Schlafzimmer möglichst kühl zu halten. Gelingt dies nicht, richte Dir einen Schlafplatz im kühlsten Raum der Wohnung ein – zumindest während einer Hitzewelle

 

Quellen:

Tipps für das richtige Verhalten während Phasen großer Hitze.

Clima Toolkits

Öko-Angst und Hitzestress

 

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